Erster Einsatz in Kirgistan, März 2015

Vom 10.bis zum 20. März flog ich nun zusammen mit einem Schneesportlehrer für meinen ersten Einsatz nach Kirgistan. Im Gepäck unser Wissen und unsere Berufserfahrungen über methodisches und technisches Skifahren, inklusive 3 paar erwachsenen Ski, 1 paar Kinderski und 2 paar Tourenski.
Angekommen in Bishkek erwartete uns wunderbarer Schneefall, was mein Herz auf zwei verschiedene Arten höher schlagen liess: einerseits war ich glücklich, denn so wusste ich, dass wir nicht Trockenübungen machen mussten mit den motivierten und interessierten Projekt-Teilnehmern aber anderseits wusste ich auch, dass uns noch eine turbulente Fahrt erwarten wird über den mit Schnee und Eis bedeckten 2800 m hohen Pass gen Süden, wo uns ein Teil des Schneesportschulen-Projektes erwartete. Die Passstrasse führte durch ein wunderschönes Hochtal in luftiger Höhe, wo kaum ein Baum anzutreffen war, nur ein paar kleine Pferdeherden nach Grass scharrten, somit lustige aber hungrige Spuren im endlosen Weiss hinterliessen. Eher etwas unschönere Spuren hinterliessen die vielen Autos, die Hals-über-Kopf ohne Profil im Schnee steckten.
Nach vielen endlosen Autostunden angekommen in Osh, die Hauptstadt der südlichen kirgisischen Provinz Osh, wurden wir herzlich zum Chai eingeladen, begleitet mit einem typisch kirgisischen Reisgericht, und es wurde lebhaft diskutiert über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten dieser Schneesportschule-Gründung.
Folgenden Tages ging es dann endlich an die praktische Arbeit auf dem Felde. Unser Ziel war ein kleines Skigebiet in der Nähe der Stadt, wo uns nostalgische altsowjetische Skilifte erwarteten. Auf der Fahrt hin war ich freudig gespannt: was wird uns dort erwarten? Was können nun unsere Teilnehmer wirklich? Werden wir mit unseren Autos überhaupt bis zum Skilift fahren können oder kommen nun doch noch Pferdetransporte zum Einsatz? Die klimatischen Bedingungen zu dieser Jahreszeit liessen uns jedoch bis zum matschigen Parkplatz vor dem Skilift fahren. Das Problem war somit gelöst.
Nun begann die Arbeit auf Ski. Es gab alles: vom Fortgeschrittenen mit enormer Rücklage bis hin zum Anfänger mit Grössenwahnsinn und kämpferischer Natur. Es war amüsant und unsere Kreativität war gefragt! Für uns Schweizer beinhaltete aber vor allem dieser ungewohnte Skilift eine Herausforderung! Ich sah schon mehrmals meine Finger alleine am Seil hochwanden, während ich ohne Finger unten blieb! Denn es war eine Kunst den Haken an das Stahlseil zu hängen und dabei das Sitzseil fliessend aus den Händen gleiten zu lassen ohne die Finger darin eingewickelt zu haben! Aber der Tag endete zum guten Glück mit allen Fingern an den Händen und mit einem grossen Packet reicher an Erfahrungen und Ideen für das Weiterführen dieses Projektes hier im Süden unten. Mit viel Dankbarkeit und Herzen verabschiedete sich die junge Mannschaft und wir reisten tags drauf mit leichterem Gepäck (wir liessen ihnen einige unserer Ski, da ihnen an Allem fehlte!) per Flug retour nach Bishkek und weiter mit dem Auto nach Karakol.

Karakol ist ein nicht ganz unbekanntes Pflaster. Es machte seinen Namen mit Bergsteiger-Exkursionen in Höhen von 7000 m. Russen bauten hier schon während der Sowjetzeit die ersten Skilifte, die heute immer noch in russischen Händen sind.
Wir wurden hier von der jungen Kirgisin Rakhat Omurbekova erwartet, die diesen Winter für einen Monat bei mir und in der Schneesportschule Bivio zu Gast war, um Erfahrungen zu sammeln. Sie begleitete uns als Übersetzerin und als meine Projekt- Managerin zu den Meetings mit den jeweiligen Organisationen hier in der Stadt Karakol. Das erste war eine kleine private lokale Trekkingagentur, die im Bereich Wintertourismus ausbauen möchten. Weiter ging es dann zur Sportschule, denen die Ski-Instruktoren fehlten für die 160 Kinder! Unser Goal hier ist die Zusammenarbeit mit der Uni, an welcher Rakhat arbeitet. Studenten aus dem Departement Sport sollen eine Skiausbildung von uns bekommen und dann so auch ein kleines Einkommen im Winter für sich sichern können, in dem sie hier an der Sportschule arbeiten sollen.
Ganz glücklich konnten wir so ein Skitraining im Skigebiet mit den Kindern mitbegleiten am folgenden Tag. Morgens und nachmittags bekamen die Kinder Unterricht, welchem wir analytisch zuschauten. Im oberen Sektor waren die Lehrer eher Skirennfahrer, somit technisch gar nicht so übel! Aber sie fuhren ihren jungen Schülern rasend davon, während diese mit grosser Rücklage versuchten ihnen zu folgen!
Im unteren Sektor fuhr der Skilehrer, der sich im Nachhinein zum eigentlichen Box-Instruktor(!) entpuppte, hinter den Schülern her, da diese besser fuhren als er. Über dir 2 stündige Mittagspause gaben wir unter den Adleraugen des russischen Skilift- Managers ein kleines methodisches Training, welches unsere Leute mit Dankbarkeit entgegen nahmen. Den Nachmittagunterricht fuhr unser Boxer den Kindern voraus und brachte wunderbare Übungsequenzen mit ein! Und die angehende Skilehrerin Elnora kurvte tapfer alleine zum zweiten mal im Pflug oben runter und sang dabei das Weihnachtslied „Oh Tannenbaum“. Ein wunderbarer Erfolg für unseren Einsatz hier in Kirgistan. Und das alles nur in jeweils einem Tag Training!
Als wir auf unseren altsowjetischen Trecker warteten, der uns heil wieder ins Tal bringen sollte, fiel mir auf, dass viele Kinder ohne Handschuhe waren. Uns wurde erklärt, dass diese Kinder gar keine Handschuhe besitzen. Auch sind die Kinderski in schlechtem Zustand, die Bindung gebrochen, keine Kanten und es fehlen noch ca 100 Paar Ski, denn bis anhin käme immer nur ein kleiner Teil auf die Piste, da Kinderski-Ausrüstungen fehlen.
Mit all diesen Erlebnissen bin ich nun wieder zurück. Meine Erwartungen sind übertroffen, mein Sprung ins „kalte Wasser“ (so hatte ich es betitelt im Fernsehauftritt am 26.02.;-)) war lauwarm, denn Skifahren bleibt Skifahren, egal wo auf dieser Erde. Gefragt ist nur Kreativität, Gelassenheit und eine enorme Spontanität, welche dieses Projekt zu einer wunderbaren Zusammenarbeit mit den Kirgisen werden lassen kann. Ich freu mich schon auf meinen nächsten Einsatz, der hoffentlich schon bald wieder stattfindet!